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8.9.2009 - VIDEO:
"JUGENDSTIL IN NÜRNBERG" auf nordbayern.de

Video Jugendstil Interview Dr. Michael Metzner


(bitte dort die Suchfunktion benutzen)

Wiederaufbau des Pellerhofs!

Website der "Nürnberger Bauernhausfreunde"

Artikel über baukunst-nuernberg.de in der Nürnberger Zeitung vom 08.09.2006

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Epoche:  Nationalsozialismus

1933-1945

Den Nationalsozialismus als kunsthistorische Epoche zu bezeichnen ist problematisch. Allerdings wäre es ebenso schwierig, die Bauten aus der NS-Zeit anderweitig zuzordnen. Ein eigener Abschnitt rechtfertigt sich hier jedoch, weil sich der Einfluß der nationalsozialistischen Ideologie auf die Architektur in Nürnberg aufgrund der historischen Umstände in besonders intensiver Weise zeigt. Die Stadt hatte für die NSDAP höchste Bedeutung und wurde zur Stadt der Reichsparteitage und einer der sogenannten "Führerstädte" bestimmt worden.

In der Bautätigkeit schlug sich die Geltung Nürnbergs für die Nationalsozialisten drastisch nieder. Zum einen entstand das Reichsparteitagsgelände, zum anderen beeinflußte der Nationalsozialismus aber auch die Architektur nicht parteigenutzter Bauten.

  Ehem. Luftgaukommando (1938)

Ehem. Luftgaukommando Schafhof
(Schafhofstraße 32, 1938)

Ehemaliges Reichsparteitagsgelände

Das ehemalige Reichsparteitagsgelände am Dutzendteich ist neben dem KdF-Seebad Prora auf Rügen eines der größten Monumente der Bautätigkeit der Nationalsozialisten. Es diente als Aufmarsch-, Kundgebungs- und Festgelände der NSDAP. Seine Ausdehnung umfaßt eine Fläche, die zehn Mal so groß ist wie die Nürnberger Altstadt - ein Dokument der Hybris der Partei, aber auch ihrer Angewiesenheit auf die Einschüchterung der Bevölkerung durch schiere Größe. Das Reichsparteitagsgelände blieb unvollendet, weitere Bauten waren geplant. Die heute wichtigsten Überreste sind die Kongreßhalle und die Zeppelintribüne. Für ihren Bau wurden Häftlinge der Konzentrationslager in Flossenbürg und Mauthausen herangezogen. Die Bauten des Reichsparteitagsgeländes erinnern daher auch an die Opfer dieser Einrichtungen des NS-Terrors.

Umformerstation heute

Entdämonisierung, -heroisierung durch Banalisierung: Fast-Food-Restaurant in der Lichtdom-Trafostation als zeitgemäßer Umgang mit
"unbequemen Baudenkmälern"

Der Umgang mit dem Reichsparteitagsgelände ist eine heikle Aufgabe und dessen Integration eine der großen städtebaulichen Aufgaben Nürnbergs. Der ursprüngliche Zweck des Areals zwingt zu einer vielseitigen Auseinandersetzung. Bedeutung und Größe der "unbequemen" Baudenkmale erschweren dies jedoch erheblich. Auf der anderen Seite wird die das Gelände durch verschiedene Faktoren gefährdet. Der fortschreitende Verfall und die immer stärkere Überlagerung durch andere Nutzungen wie Sport (Arena, WM 2006), Messe (CCN Ost) und Veranstaltungen (Norisring, Volksfest, Rock im Park) konkurrieren mit der Erschließung des Geländes und der einzelnen Bauten im historischen und städtebaulichen Kontext.
Nach dem Ende der NS-Herrschaft etablierte sich eine pragmatische Nutzung der Bauten als Lagerhallen und des Geländes mit Großveranstaltungen und Freizeitangeboten sowie einem Großparkplatz für das Messezentrum. Obgleich häufig als unbefriedigend empfunden, stellte diese Situation, da ungezwungen und ehrlich, vielleicht die zunächst "am wenigsten misslungene" Auseinandersetzung mit dem Gelände dar. Durch die Nutzung war auch der Erhalt der Denkmäler gesichert.

Wasserturm

Vorgeblendete Buckelquader verleihen auch dem versteckten Wasserturm das passende Aussehen (1936/38 nach Planung von Speer).

NS-Relikt am Reichsparteitagsgelände

NS-Relikt an der Umformerstation
(Regensburger Straße 336, 1936-39 von Speer und Schmid-Ehmen)

Die fortwährende Alltagsnutzung zeigte aber auch die Unfähigkeit, selbst in Jahrzehnten häufig unergiebiger Debatten ein befriedigendes Konzept des Umgangs mit dem ehemaligen Reichsparteitagsgelände zu realisieren. Auch gegenüber den in den 1980er Jahren aufkommenden Plänen einer stärkeren Kommerzialisierung hatte die Alltagsnutzung den Vorteil, daß die Bauten präsent waren und ihre Erinnerungsfunktion erfüllten, ohne daß durch eine all zu geschäftliche Nutzung und Verschönerung eine Verharmlosung zu befürchten war.
Gleichwohl war man sich der Verantwortung für das Reichsparteitagsgelände und der Tatsache, daß diese Situation keine endgültige Lösung darstellen konnte, stets bewußt. Das Gelände ist nicht städtebaulich isolierbar, und aus moralischer und historischer Sicht konnten die sich in drängender Weise stellenden Fragen nicht unbeantwortet gelassen werden. Daher wurde unter Fortsetzung der bisherigen Nutzungen in der Kongresshalle ein Dokumentationszentrum eingerichtet, das die Maschinerie der Nazi-Reichsparteitage behandelt. Dabei gelang eine Lösung, die sowohl architektonisch als auch inhaltlich überzeugen kann.

Südkaserne

Ehem. SS-Kaserne, in der Nähe des Parteitagsgeländes, 1938/40 von Franz Ruff

Parteigebäude am Marienplatz

Ehem. "Gauhaus" Marienplatz 5
(1935-37 von Franz Ruff)

Trotz der Kritik, wichtige Aspekte der Nationalsozialistischen Gewaltherrschaft wie der Holocaust blieben außen vor, ist zu bedenken, daß nicht jedes Baudenkmal aus dem Nationalsozialismus an diesen insgesamt erinnern kann. Das Dokumentationszentrum hat international anerkennende Reaktionen ausgelöst.

Neben den Hauptüberresten Kongresshalle und Zeppelintribüne gibt es noch eine Reihe weiterer Anlagen, die für die Reichsparteitage entstanden. Insoweit wird an dieser Stelle auf die zwischenzeitlich vorhandenen anderweitigen Auskunftsmöglichkeiten Reichsparteitagsgelände verwiesen (siehe Verweise).

Als Parteibau, jedoch unabhängig vom Reichsparteitagszweck, zeugt auch das ehemalige "Gauhaus" der NSDAP am heutigen Willy-Brandt-Platz von den nationalsozialistischen Bauidealen. Auf seiner Rückseite findet sich ein Relief, das von dem Bildhauer Prof. Wilhelm Nida-Rümelin stammt. Die symbolhafte Darstellung des Herkules, der eine Schlange besiegt, ist eines der wenigen erhaltenen Beispiele nationalsozialistisch beeinflußter Plastik.

Andere öffentliche Bauten

Schulhaus Oedenberger Str.

Ehem. "Göring-Schule" Oedenberger Straße 135

Weniger auffällig als das Reichsparteitagsgelände, jedoch teils trotzdem deutlich erkennbar sind die sonstigen Einflüsse des nationalsozialistischen Bauens in Nürnberg.

Schulen wie die ehemalige Herrmann-Göring-Schule von Heinz Schmeißner und Wilhelm Schlegtendal (1936-1940) führte man in einem ideologiegerechten, anti-modernen Heimatstil aus. Dabei wurden ortstypische Anklänge bewußt verwendet, um eine offensichtliche Verbindung zwischen der "deutschen Vergangenheit" und der NS-Herrschaft herzustellen.

Auch am ehemaligen Luftgaukommanndo im Nordosten der Stadt finden sich typische, von den Nationalsozialisten bevorzugte Motive, wie der hier lediglich angedeutete "Führerbalkon" über einem dreibogigen Triumphbogen-Zitat. Am gleichen Gebäude findet sich ein fränkisch-heimattümelnder Erker mit funktionslosem Fachwerk auf zwei "bodenständigen" Rundstützen.

Reine Zweckbauten wurden mit weniger symbolistischem Aufwand in rationeller Bauweise erstellt, wie der moderne Bahnof Zollhaus von 1937. Er diente als Entlastungsbahnhof für das Reichsparteitagsgelände. Die Parteiveranstaltungen sorgten regelmäßig zu einer Überlastung der günstig zentral im Reich gelegenen Stadt durch Hunderttausende von Besuchern.

Entlastungsbahnof Zollhaus für das Reichsparteitagsgelände (1937)

Erstaunlich modern: Entlastungsbahnhof Zollhaus
(Klenzestraße 11, 1937)

Nationalsozialistische "Stadtbildpflege"

Ehem. Luftgaukommando

Ehem. Luftgaukommando Schafhof (erbaut 1938)

Im Sinne der ideologischen Beherrschung sämtlicher kultureller Bereiche plante die NSDAP zahlreiche Baumäßnahmen in der Altstadt Nürnbergs. Die Nazis hatten die Nürnberger Altstadt als Symbol für ihre Propaganda eingeplant. In diesem Sinne sollten solche Fassaden umgestaltet oder entfernt werden, die nicht dem offiziellen Stilempfinden der Parteileitung entsprachen. Zum Opfer fielen dieser Anordnung etwa die neugotischen Fassadengestaltungen des Platner'schen Hauses am Egidienberg von Heideloff sowie das Telegrafenamt von Solger neben der Frauenkirche. Im Sinne einer Rückführung des Stadtbildes zu dem, was als "altdeutsch" erwünscht war, rekonstruierte man anhand alter Darstellungen den Erker des Heilig-Geist-Spitals zu seinem auch nach dem Krieg wiederhergestellten heutigen Aussehen, allerdings mit aufgesetzter NS-Symbolik.

Kriegsarchitektur

Zahlreiche Hochbunker im Stadtgebiet zeugen noch heute von den Maßnahmen, die die Zivilbevölkerung im zweiten Weltkrieg vor feindlichen Luftangriffen schützen sollten. Die meisten davon wurden zwischenzeitlich zu Wohngebäuden umgebaut oder erweitert, wie etwa der Bunker an der Grübelstraße in der Altstadt.

Umgebauter Bunker

Von-Oelhafen-Straße 5: Umgebauter Luftschutzbunker Thon (Aufnahme 2005)

Privatbauten

Nationalsozialistische Bevormundung erfolgte auch mittels stilistischer Einflußnahmen oder bei öffentlichen Siedlungsprojekten. Die parteilich veranlaßte Gleichschaltung zielte darauf ab, individuelle Baugestaltung zu verhindern. Damit kam die geringe Bedeutung des einzelnen Menschen in der nationalsozialistischen Gesellschaft gegenüber der "Volksgemeinschaft" zum Ausdruck.

Literaturhinweise:

  • DIETZFELBINGER, Eckart / LIEDTKE, Gerhard: Nürnberg - Ort der Massen - Das Reichsparteitagsgelände, Vorgeschichte und schwieriges Erbe, Berlin 2004

WWW-Tipp:





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