Sozialer Wohnungsbau zwischen den Weltkriegen
Arbeiter mit ihren Familien wohnen sollten. Bis zum ersten Weltkrieg konnten sich noch idealistische
Konzepte wie die Gartenstadt-Bewegung
durchsetzen, im übrigen reichten die zahlreich entstandenen Mietshäuser aus,
die in Nürnberg um die Altstadt herum entstanden. Vor allem nach dem ersten Weltkrieg wurde das Problem immer virulenter,
so dass die Errichtung einer großen Anzahl Wohnungen in kurzer Zeit erforderlich wurde.
in gleicher Funktion erhalten sind, und die architektonische Qualität aufweisen.
Um Soldaten Arbeit zu geben, gab das III. Bayerische Armeekorps den Anstoß zur
Gründung der Siedlung am 10.3.1919.
Der ältere Siedlungsteil gruppiert sich um den Heroldsberger Weg. Der bewußt
unregelmäßige Grundriß der Siedlung
orientiert sich am Gartenstadtmodell. So ergeben sich idyllische, teils in sich abgeschlossene
Platzanlagen und Straßenzüge. Es dominieren eingeschossige Reihenhäusgruppen, teils mit
barockisierenden Mansarddächern; häufig sind die Eingänge benachbarter Häuser zusammengefaßt und mit
Sandsteinfassungen hervorgehoben.
Zum Stiegelfeld
Heroldsberger Weg
Stirnhausgruppe Ziegelsteinstraße 50-60
Den Giebel teilen sich zwei Häuser
Gräfenberg getrennt, unmittelbar an die Siedlung Loher Moos an. Die Häuser wurden 1920 / 1926
nach Planung von Hans Müller
errichtet. Idyllisch an einem Föhrenhain gelegen, umrahmt sie einen platzartigen Rücksprung
der Eschenauer Straße. Bossierte Eckpfeiler betonen die Straßeneinmündung in der Mitte
der symmetrischen Gruppe. Das gestalterische Detail zeigt die Qualität des Entwurfs,
wie zum Beispiel die Blendbögen über bestimmten Fenstern, die Haustreppen oder die Inschriften.
Wohnen im Grünen: Eschenauer Straße
Mit barockisierenden Inschriften wies die „Baugenossenschaft Nürnberg Nordost“ auf ihre Leistungen hin
Gelände zur Erbauung der Siedlung Buchenbühl.
Das Konzept sah vor, dass sich die Bewohner möglichst selbst versorgen konnten, deswegen wies man jeder Wohneinheit ein sehr großes Grundstück zu. Hier sollten die Buchenbühler Gemüse
und Obst anbauen und Kleinvieh halten. Daneben hatte die im Grünen gelegenen Siedlung einen hohen Erholungswert.
Die Siedlung wuchs im Laufe der Zeit weiter, blieb aber in sich abgeschlossen. Auch heute noch gibt es ein Zusammengehörigkeitsgefühl
der heute vom Fluglärm geplagten Einwohner des Stadtteils.
Zum Froschbrücklein
… oder Bruchstein statt verputztem Ziegelmauerwerk
Zu einer geschlossenen Siedlung gehörten Versorgungseinrichtungen und ein Zentrum. Letzteres bildet der Platz „Am Paulusstein“, durch ein
Uhrengeläut gekennzeichnet.
Saalbau Kalchreuther Str. 125
Der nicht weit davon gelegene Saalbau von 1925 zeichnet sich in seiner architektonischen Gestaltung
durch expressionistische Anklänge aus.
Saalbau und Gaststätte
Zum Felsenkeller. Deutlich erkennbar ist die versetzte Anordnung der Gebäude
Variationen des Haustyps: Fachwerk …
Charakteristisch für Buchenbühl sind die an Doppelhäuser mit ihren mächtigen Giebeln. Die originelle Zusammenfassung zweier Häuser läßt die
erdgeschossigen Gebäude größer wirken als sie sind. Die Anklänge an fränkische
Bauernhäuser betonen den ländlichen Charakter der Siedlung.
Ein Uhrentürmchen markiert den Platz Am Paulusstein als Zentrum der Siedlung
Spitz, spitzer, Spitzhelm: spitze Winkel waren im Expressionismus ein bevorzugtes Gestaltungselement
Bau dieser Anlage Mitte der Zwanziger Jahre. Für den Entwurf zeichnete sich der in kommunalen Diensten stehende Karl Sorg verantwortlich, wie die Inschrifttafeln
mit dem leicht abstrahierten städtischen Adler zeigen.
Helenenhof

Kirschgartenstr.
Inschrifttafel, Wilhelm-Marx-Str. 64

Spitzbogige Loggien
an der Wilhelm-Marx-Str.
Helenenstraße
mäandrierenden Verlauf des Baukomplexes entlang des zum Pegnitztal abfallenden Hanges. Er bildet
enge Straßenhöfe zur Nordseite, durch die Treppentunnel in die unterhalb gelegenen Viertel führen, und weite Gartenhöfe zur Südseite. Das Dekor ist verhalten expressionistisch,
am Geviert an der Helenenstraße fallen dagegen die in Anlehnung an moderne Gestaltungsweisen horizontal zusammengefassten Fensterbänder auf.
sich um den sozialen Wohnungsbau verdient gemacht hat. Die halbrunde Anlage, die früher idyllisch
am alten Kanal lag,
ist der Kern- und Sammelpunkt einer größeren Wohnanlage aus der Mitte der 1920er Jahre; es treffen
sechs Straßen aufeinander.
besonders weil es diesenorts wenig moderne Architektur gibt.
Vor allem im Vergleich mit den „konventionellen“ Wohnblöcken in der Nachbarschaft
beeindruckt der räumlich geschickt gestaltete Platz mit seinen schmucklosen Gebäuden. Einen
besonderen Akzent setzt das Wohnhochhaus, das die anderen Gebäude um ein Geschoss überragt.