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Artikel über baukunst-nuernberg.de in der Nürnberger Zeitung vom 08.09.2006

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Epoche:  Gotik

Vorletzte Stadtbefestigung

13. Jh.

Die "vorletzte Stadtumwallung" ist die  ältere der  beiden heute feststellbaren Stadtmauern. Über den Verlauf einer früheren Befestigung, beispielsweise entlang der Tetzelgasse1, wurde schon viel gemutmaßt, jedoch haben sich alle Vermutungen bislang nicht erhärtet. Plausibel erscheint auf Grund des Straßenverlaufs eine frühere, hölzerne Befestigung im Bereich zwischen dem heutigen Tiergärtnertorplatz und dem Weinmarkt.

Vorletzte Stadtbefestigung

Die vorletzte Stadtumfriedung bestand aus getrennten Mauerringen um die Sebalder und die Lorenzer Altstadt, bevor die Verbindung über die Pegnitz hinweg erfolgte. Am Stadtgrundriss ist der Verlauf der ehemaligen Mauern noch ablesbar. Aber nur noch an wenigen Stellen ist die ältere Stadtbefestigung sichtbar erhalten. Im Verborgenen liegen jedoch noch Spuren, die bei Grabungen auftauchen, wie etwa im Sommer 1968 beim Bau der Dresdner Bank an der Hans-Sachs-Gasse2 oder in jüngerer Zeit in der Winklerstraße. Auch an der Färberstraße gibt es eine Kuriosität: Viele Autofahrer und Fußgänger benutzen, ohne es zu wissen, eine heute unsichtbare Brücke, die den nach Inschrift aus dem 17. Jahrhundert damals noch bestehenden einstigen Stadtgraben überspannte. Will man das zweibogige Bauwerk besichtigen, muss man sich an Ort und Stelle in den Untergrund begeben.

Türme

Durch das Tor des "Weißen Turms" (Mitte 13. Jh.), hier von der Breiten Gasse aus gesehen, gelangte man aus der Lorenzer Stadt in südwestliche Richtung. Vor dem Turm liegt eine malerische Barbakane, die einst als Zwinger diente. Die Kriegszerstörungen haben den Turm isoliert, so dass er heute baulich beziehungsarm zwischen den umgebenden Kaufhäusern steht.
Weißer Turm

Der "Weiße Turm"

Weisser Turm

Der Weiße Turm mit der teilrekonstruierten Barbakane im Vordergrund

Wei"er Turm, Detail

Gleich zweimal erscheint das Kleine Nürnberger Stadtwappen auf der Stadtseite des Weißen Turms.

Breite Gasse mit Weißem Turm

Blick durch die Breite Gasse nach Westen

Laufer Schlagturm

Feldseite ...

Betrachtet man die Nürnberger Altstadt als ein im Grundriss punktsymmetrisches Gebilde, so stellt der Laufer Schlagturm das durch Spiegelung erhaltene Pendant des Weißen Turmes dar. Die äußerliche Ähnlichkeit ist nicht zu übersehen. Der Turm stammt im Kern aus dem 13. Jahrhundert, ebenso der nördlich (im Bild rechts) anschließende Teil der Stadtmauer. Oberer Teil des Turmes und  Spitze mit Laterne stammen von 1508.

Stadtseite des Laufer Schlagturms

...und Stadtseite des Laufer Schlagturms

Graben

An der Grübelstraße ist ein Stück des Stadtgrabens der vorletzten Befestigungsanlage erhalten. Es wurde als Übungsplatz der Sportschützen des Herrenschießhauses genutzt.

Graben Obere Talgasse

Blick von der Oberen Talgasse über den alten Stadtgraben

Alter Stadtgraben

"Schießgraben", im Hintergrund das Herrenschießhaus

Grabenzug Peter-Vischer-Str.

Auch auf der Lorenzer Seite, ebenfalls im Ostteil, existiert noch ein Teil des alten Stadtgrabens, der auf beiden Seiten mit Stützwänden aus Sandsteinquadern versehen ist. Eine Brücke verbindet die Katharinengasse mit dem Oberen Bergauerplatz.

Verbindung der Mauerringe

1320/25 wurden die Befestigungsringe der Sebalder und der Lorenzer Altstadt über die Pegnitz hinweg miteinander verbunden. Wasserturm und Henkersteg bewachten den Pegnitzausfluß, bevor die letzte Stadtmauer errichtet wurde. Links der Weinstadel (Mitte 15. Jh.). Auf der anderen Pegnitzseite steht das Unschlitthaus, welches unter Verwendung von Teilen der Stadtmauer im ehemaligen Graben errichtet wurde.

Henkerturm

Der Henkerturm an der Spitze der Trödelmarkt-Insel

Weinstadel

Ein typisches Postkartenmotiv: Weinstadel und Wasserturm

Wasserturm

Der sogenannte Wasserturm beherbergt heute Studentenwohnungen



Männerschuldturm

Den ehemaligen Einfluß der Pegnitz markiert noch heute der  früher als Gefängnis dienende Männerschuldturm. Bemerkenswert sind die vier Erker, die nicht an den Ecken, sondern in der Mitte der Fassaden angebaut sind.


1 MUMMENHOFF, Ernst: Der heutige Stand der Frage der ältesten Nürnberger Stadtbefestigung, in: MVGN 20 (1913), S. 242 (256)
2 GRIES, Fritz: Die Freilegung der Stadtmauer beim Bau der Dresdner Bank am Hans-Sachs-Platz, in: MVGN 56 (1969), S. 422 (422)


Sonstige Literaturhinweise:

  • BACH, Max: Die Mauern Nürnbergs, in: MVGN 5 (1884), S. 47 ff.
  • ders.: Die Mauern Nürnbergs, in: MVGN 13 (1899), S. 245 ff. (mit Entgegnung von MUMMENHOFF, S. 251 ff.)
  • GOEPFERT, Georg: Nuremberc castrum oder die Altstadt nach den ersten Quellen. In: MVGN 31 (1933), S.206 ff.
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