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AKTUELLES:

8.9.2009 - VIDEO:
"JUGENDSTIL IN NÜRNBERG" auf nordbayern.de

Video Jugendstil Interview Dr. Michael Metzner


(bitte dort die Suchfunktion benutzen)

Wiederaufbau des Pellerhofs!

Website der "Nürnberger Bauernhausfreunde"

Artikel über baukunst-nuernberg.de in der Nürnberger Zeitung vom 08.09.2006

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Literaturhinweise
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seit 1970

Über die Architektur der letzten drei Jahrzehnte des 20. Jahrhunderts läßt sich noch kein abschließendes Urteil bilden. Die Auswahl der hier gezeigten Objekte kann also nur ein Versuch sein, etwas über die Architektur in Nürnberg im Zeitraum von 1970 bis heute auszusagen.

Verschiedene Strömungen haben sich in den vergangenen Jahren gezeigt, denen aber zumindest eines gemeinsam ist: die Moderne als Kern der architektonischen Fortentwicklung. Die mit dem Jugendstil eingeläutete Abkehr vom historisierenden Stileklektizismus ist offenbar endgültig erreicht. Nur die "Postmoderne" der Siebziger und Achtziger Jahre betrieb ein mehr oder weniger abstrahierendes Zitatspiel. Doch insgesamt beantwortet die Architektur bauliche Fragestellungen mit sachlichen, aus der Funktion entspringenden Lösungen. Aber dieser Weg muss im Ergebnis auch ästhetisch befriedigend wirken. Die Wirklichkeit zeigt, dass letzteres ein anspruchsvolles Ziel ist; die Ästhetik des Funktionalismus ist aufgrund der ihr anhaftenden Nüchternheit Geschmackssache.
Neues Museum

Nürnberger Schaustück:
Das Neue Museum


Konfliktthema Zeitgenössische Architektur

Über das Bauen in der Gegenwart wird viel gestritten - und das ist ganz normal, weil es etwas zu streiten gibt, da man im Gegensatz zu vergangenen Epochen noch etwas gestalten kann. Mit negativen Assoziationen ist jedoch für viele das Thema heutigen Bauens verbunden. Tatsächlich finden sich auch in Nürnberg leider mehr als genug Beispiele, die gängige Klischees wie vom "Betonklotz" bedienen - unabhängig von ihrer tatsächlichen architektonischen Qualität. Der Wille, neue Wohnmöglichkeiten auszuloten, wird etwa bei den Wohnmaschinen spürbar, aber sie haben - zu Unrecht - ganze Stadtteile abgestempelt. Die Beurteilung durch die Bewohner ist zudem häufig positiv, im Gegensatz zu der Meinung Außenstehender.

Schalenbrunnen

Freiplastik, wie hier der Schalenkaskadenbrunnen in der Kaiserstraße (1976/77 von Helmut Lederer), ist nach wie vor ein wichtiges Mittel stadträumlicher Gestaltung

Das Stadtbild leidet insgesamt unter provinzieller Gestaltung. Der einzige, stätebaulich wertvolle, potenzielle Prachtvoulevard Fürther Straße wurde nach heute kaum noch nachvollziehbaren Ideen "verkehrsberuhigt".

KWT mit modernem Anbau

Die Kombination von Alt- und Neubauten ist immer problematisch, wie hier am Ludwigsplatz

Wohnanlage Neuselsbrunn

Hochhäuser Neuselsbrunn

Doch nicht nur Wohnanlagen, sondern auch viele andere Themen stehen in der öffentlichen Kritik. Besondere städtebauliche Probleme bereiten das lange vernachlässigte Reichsparteitagsgelände und die Messeerweiterung sowie der Bahnhofsplatz. Insgesamt unzufrieden scheinen viele mit der Mittelmäßigkeit der hiesigen Bauvorhaben und Planung zu sein, die den großstädtischen Anspruch der Stadt trotz einzelner Ansätze kaum widerspiegelt.

"Forschungsfabrik" von Lucent Technologies

"Forschungsfabrik" der Fa. Lucent Technologies

Allgemein fällt die ungeschickte Möblierung der Stadt auf - sowohl mit "Blumen"trögen als auch mit Blechkästen, die sich an Attraktivität ähneln. Neue Initiativen sollen nun dem Bauen in Nürnberg neue Impulse verleihen.

Bei allen Missständen dürfen Erfolge, insbesondere auf dem Gebiet des Wohnungsbaus, nicht vergessen werden. Neben der Sanierung des Bleiweißviertels entstanden in Langwasser-Nord Wohnviertel, deren architektonische Gestaltung durchaus anerkannt wurde. Außerdem setzten Unternehmen wie Alcan, Lucent oder die Nürnberger Versicherungen architektonisch teils anspruchsvolle Akzente.

Norikus

Der "Norikus" (1966-1972 von Harald Loebermann) ist bei der Bevölkerung nicht gerade als architektonische Schönheit beliebt, aus der Sicht von Architekten ist es hingegen kein Kriterium, gefallen zu wollen.


Alt und Neu - Bauen in historischer Umgebung

Ein ebenso wichtiges und vieldiskutiertes Thema ist heute das Bauen in der Altstadt. Restaurierung und der Erhalt alter Bausubstanzen haben in jüngerer Vergangenheit einen erfreulich hohen, neuen Stellenwert erhalten. Bei der Sensibilisierung der Öffentlichkeit und eigenen Restaurierungs-Projekten hat sich der Verein der "Altstadtfreunde", in Zusammenarbeit mit der öffentlicher Denkmalpflege und Denkmalschutz, verdient gemacht. Zu hoffen bleibt, dass die gebotene Wertschätzung des Alten nicht nur eine Modeerscheinung ist. Dafür spricht immerhin, dass der kompromisslose Abriss- und Erneuerungsdrang der Fünfziger und Sechziger Jahre des 20. Jahrhunderts eine vorübergehende Reaktion auf das Kriegsdesaster war.

Kühnertsgasse

Restaurierungsprojekte, hier ein Vorhaben der Altstadtfreunde in der Kühnertsgasse, verbessern das Stadtbild erheblich und dienen der Erhaltung der wenigen erhaltenen, kostbaren Altbauten


Das Ergebnis ist, gerade auch aus Sicht von Denkmalschutz und Denkmalpflege, sicher richtig gewesen. In Hinblick auf die Architekturdiskussion in Nürnberg zeigte sich aber, dass außerhalb der oft zu Unrecht mißverstandenen Altstadtfreunde mit ihrer durchaus populistischen Wirkung es wenig Stimmen gab, die die öffentliche Meinung zu polarisieren und die notwendige Diskussion über das Bauen in Nürnberg zu dynamisieren vermochten. Wünschenswert ist eine Strömung innovativen, neuen Bauens in Nürnberg, im Altstadtbereich mit höchsten Qualitätsanforderungen. Leider sind Bereitschaft und Fähigkeit, den einzigartigen Geist der Altstadt als Maßstab zu akzeptieren und mit Demut statt Hochmut zu bauen, nicht immer gegeben; annähernd kongeniale Schöpfungen wie das Neue Museum, die Respekt mit Größe verbinden, sind daher meist die Ausnahme.

Admiral-Kino

Gegner der Anpassung an das Alte erfreut der Neubau des Admiral-Kinos neben der Lorenzkirche (2001/2002 an Stelle eines Gebäudes von 1957) wohl als "zeitgemäß selbstbewußter Kontrast"


Wirtschaftsrathaus

Wurde als zeitgemäße Architektur in der Altstadt akzeptiert: das alltäglich wirkende Wirtschaftsrathaus Theresienstraße 7a/9

Nicht nur die Behandlung von Altbauten selbst, sondern auch das Bauen in ihrer Nähe stellt die Nürnberger vor enorme Probleme. Die Altstadt ist Nürnbergs bedeutendstes und wertvollstes Denkmal-Ensemble, und den Nürnbergern heilig. Neu- und Umbauten in ihrem Bereich sind stets heikel. Ist noch weitgehend anerkannt, daß bei Baumaßnahmen auf die historischen Bauten und Gegebenheiten Rücksicht zu nehmen ist, bestehen bei der Beurteilung der Frage, was Rücksichtnahme bedeutet, extreme Differenzen. Exemplarisch ist das gescheiterte "Augustinerhof"-Projekt: per Plebiszit entschied sich die Bevölkerung gegen die Verwirklichung eines Planes des international renommierten Architekten Helmut Jahn für eine Einkaufspassage zwischen Hauptmarkt und Trödelmarkt. Bei der Auseinandersetzung spielten die Altstadtfreunde, mit 6000 Mitgliedern der größte deutsche Altstadtverein, eine Meinungsführerrolle; auf der anderen Seite äußerte sich der prominente und aus Nürnberg stammende Architekt in geringschätzender Weise über die Nürnberger Bevölkerung.

"Posthistorismus" am Treibberg

Am Treibberg steht dieses altstädtische Häuser nachempfindende Gebäude


Soll so in der Altstadt gebaut werden? Es handelt sich hierbei keineswegs um Postmoderne oder einen Ganz-Neu-Nürnberger-Stil, sondern um mehr oder weniger angepasstes Bauen in der Altstadt. Der konventionell-rationelle Bau wurde nach außen klischeehaft Alt-Nürnberger Bauten angepaßt, mit aufgedübelten Sandsteinplatten, Satteldach, Erkern, Pseudofachwerk und Sprossenfenstern sowie historischen Versatzstücken wie der Eckfigur, hier am Treibberg oder in übersteigerter Form am Trödelmarkt. Man mag vertreten, dass diese Gestaltung den echten Denkmalbestand weniger stört als ganz moderne Bauten, aber hier kann man geteilter Meinung sein. Die historisierenden Details täuschen jedenfalls bei vielen neuen Häusern nicht darüber hinweg, dass der Nutzwert vorrangig ist: möglichst viele Geschosse bei niedriger Bauwerkshöhe, ausufernder Dachausbau, Kunststofffenster mit funktionsloser Sprossenteilung. Obgleich man hier ein im Grunde wichtiges Ziel verfolgt, ist das Ergebnis nicht befriedigend.


Postmoderne

Die Postmoderne entwickelte sich in der Architektur seit den 1960er Jahren als Gegenströmung zur Moderne. Ausgangspunkt war die Kritik an der Moderne, die einerseits als seelenlos und ohne menschliche Qualität empfunden wurde. Auch wurde bemängeld, daß moderne Architektur nichtssagend sei. Im Kernpunkt steht ein gegenüber der Moderne verändertes Verhältnis zur Tradition, die nicht mehr überwunden werden muß, sondern deren Möglichkeiten man sich bedienen kann.

Postmoderne Treppenaufgänge in Langwasser P

Säulenförmige Treppenhäuser, "klassische" Gestaltung mit Giebel

In Nürnberg sind das Heizkraftwerk Sandreuth oder die Nachbarschaft Langwasser P Beispiele für diese Strömung. Gerade im Vergleich der Entstehungsgeschichte frührerer Teile von Langwasser zu letztgenannter Siedlung (und über diese hinaus) kann man die Entwicklung städtebaulicher Ideen über die letzten Jahrzehnte hinweg gut beobachten.

Klausfelder

Auch Zeitgenössisches ist schon Vergangenheit:
das mittlerweile abgerissene Klausfelder-Kaufhaus zeigte postmoderne Tendenzen

Jakobsmarkt

Anpassung gewollt, dennoch nicht gerade charmant: Parkhaus Jakobsmarkt

Nachbarschaft Paula in Langwasser

Langwasser, Nachbarschaft "Paula": Überdachte Laubengänge erschließen die autofreie Siedlung

Die "Postmoderne" zitiert somit historische Motive in freiem Spiel und wendet sich bewußt vom belanglosen Betonklotz ab. Auf der anderen Seite erfuhr die Postmoderne Kritik; sie sei im wahrsten Sinne des Wortes oberflächlich aufgrund ihrer rein auf das Äußere eines Gebäudes bezogenen Forderungen. Dies kann jedoch nicht die Leistungen der Postmoderne auf dem Gebiet der Stadtplanung betreffen.

Langwasser Paula

Diese Erker zitieren historische Motive

In der autofreien, "unregelmäßig" und mit "Marktplatz" angelegten Nachbarschaft P manifestieren sich der Wunsch nach einer menschlich-sozialen Umgebung an Stelle anonymer Wohnmaschinen und autogerechter Stadt.



Dieser funktional wohl nicht notwendige Erker lockert die Fassade auf




Dekonstruktivismus

Bewußtes Vermeiden von konventionellen geometrischen Figuren und Konstruktionen führt zu Gestaltungen, die wie Schrotthaufen oder zufällig oder behelfsmäßig zusammengesetzte Behausungen aussehen. Ihr Reiz liegt in der plastischen Gestaltung und der Provokation, die von ihnen ausgeht. Beispiele sind das Wüst und Thaufelder - Haus und ein Haus am Stresemannplatz. Die zerklüfteten Formen passen zumindest zu den Unregelmäßkeiten der mittelalterlichen Stadtanlage und der expressiven Gotik besser als manch andere moderne Architektur.
Wüst und Thaufelder - Haus<br>Entwurf:N+K Architekten

Wüst und Thaufelder - Haus
Entwurf: N+K Architekten

Haus am Stresemannplatz

Stresemannplatz

Wohl wichtigste Beispiele dieser Strömung in Nürnberg sind der Kontrollturm des Flughafens und das Dokumentationszentrum Reichsparteitagsgelände.


Ökologisches Bauen

Ökologische Belange werden in der Architektur immer wichtiger. Hier steht die Nachhaltigkeit von Bauwerken in verschiedener Hinsicht voran: Niedrig- oder Nullenergie-Häser, Verwendung nachwachsender und natürlicher Materialien bis hin zu begrünten Dächern, Recyclingfähigkeit der Bauwerke, Schonung von natürlicher Umgebung und Bodenressourcen sind nur einige der Stichworte, die unter diesem Oberbegriff diskutiert werden. Reihenhaus

WWW-Verweise und Literaturhinweise zur Gegenwartsarchitektur in Nürnberg

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